Franziska in Afrika

20/07/2011

Die Zeit vergeht…

Seit September letzten Jahres bin ich wieder zurück in Österreich. Mittlerweile habe ich mich wieder einigermaßen gut in Europa eingelebt, obwohl das am Anfang sehr schwierig war. Alles ist so anders und viele Dinge passen nicht hierher….

Seit zwei Semestern studiere ich nun also schon und werde im Herbst auf die FH für Soziale Arbeit wechseln.

Mit vollem Eifer versuche ich dabei mich weiter zu engagieren und möchte kurz unser neues Projekt vorstellen: Zirkus Giovanni.

„Hereinspaziert, herzeinspaziert – lassen Sie sich diese sensationelle Attraktion nicht entgehen!“

 

Mit diesem typischen, einladenden Ausruf der Zirkusse dieser Welt kündigt sich auch der kunterbunte Wanderzirkus Giovanni an. Zwar gibt es in diesem Zirkus weder Elefanten, noch den stärksten Menschen der Welt zu sehen, dennoch gibt es Attraktionen zur Genüge. Ein gutes Dutzend junger Wiener Studierender aus ganz Österreich und Deutschland möchten mit bunter Kleinkunst, skurrilen Charakteren und der Nähe zum Publikum unterhalten, bewegen und ins Staunen versetzen. Seit einem halben Jahr proben die jungen Gaukler*innen unentwegt und mit Ergeiz, ab Ende August gehen sie mit einem Koffer voller Visionen auf Tour.

Da die meisten der Jugendlichen ein Jahresvolontariat in Afrika, Asien oder Lateinamerika in Zusammenarbeit mit den Salesianern Don Boscos absolviert haben, bleiben sie ihrem Idol Giovanni Bosco treu und erzählen von seiner Jugend, als er ambitioniert, neugierig, keck und zielstrebig auf fahrende Jahrmärkten  Gaukler*innen kennen lernte; Erlebnisse, die zu einem zentralen Aspekt seiner Pädagogik wurden.

   

Schon seit geraumer Zeit befinden wir uns in einer schwierigen Debatte um Migration, Fremdenfeindlichkeit und Integration in Österreich aber auch in anderen Ländern Europas. Materielle und kulturelle Unterschiede schaffen zunehmend ein gespanntes Klima im Alltag – worunter vor allem Kinder und Jugendliche leiden. Offenheit gegenüber Fremdem und Interesse am Neuen machen immer mehr der Skepsis und dem Unbehagen Platz. Benachteiligte Randgruppen haben aufgrund ihrer Herkunft, Religion und ihren sozioökonomischen Status in der Gesellschaft oft wenig Platz und die Teilnahme am kulturellen Leben bleibt ihnen oft verwehrt. Wir vermissen vor allem sinnvolle Angebote zur Freizeitgestaltung für Jugendliche und Kinder und deren Einbindung in den öffentlichen Diskurs. Die vorbildliche Jugendarbeit der Salesianer Don Boscos ist in Österreich weitgehend unbekannt und eine Vernetzung der Projekte und Tätigkeiten ist kaum vorhanden. In unserer hektischen Zeit bleiben kaum Momente zum Bestaunen von Kleinkunst, zum stehen bleiben und nachdenken; das kulturelle Leben findet oft nur mehr institutionalisiert mit hoher Hemschwelle statt, einfache Kultur im öffentlichen Raum verkümmert. Das wollen wir  mit dem Zirkusprogramm „In der Revolte“ auf dem Platz um der nächsten Straßenecke regelrecht aufbrechen.

 

Die Reise Don Boscos ist repräsentativ für das Leben und die Mentalität der Kleinkunstartisten*innen und des gesamten Projektes: wandernd und weltoffen Menschen und deren Fähigkeiten kennen lernen, von ihnen lernen, und gemeinsam für ein Miteinander eintreten. Der Zirkus hat durchaus auch politische Botschaften – so gibt es Anspielungen auf den arabischen Frühling und Widerstandsbewegungen im Sinne der Demokratie, Jonglierfantasien der Toleranz und Intonationen der Musikkapelle aus aller Herren und Frauen Länder. Demokratie, Multikulturalität und die Freude an den kleinen Dingen im Leben soll gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bei freiem Eintritt zur Entfaltung kommen. Durch Interaktion und Dialog mit dem Publikum (unter anderem Jonglier- und Tanzworkshops für Kinder) soll Bewusstseinsbildung betrieben und positive Freizeitgestaltung angeregt werden.

 

Die Auftritte finden vorwiegend in Freizeiteinrichtungen der Salesianer Don Boscos in Österreich, Kroatien und Italien statt und sind für alle zugänglich.

Die Gruppe ist ein loser Zusammenschluss, ohne jegliche Vereins- oder gar kommerziellen Absichten. Zusätzlich wird die Wandertruppe während ihrer einmonatigen Tour auch auf Straßen, Gassen und sonstigen Gelegenheiten, die sich ergeben, auftreten.  Das Projekt wurde vom EU Programm „Jugend in Aktion“ unterstützt – hungrige Artisten*innen wollen gefüttert werden.

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